Vom Mariandl, dem Wein und den Marillen - Auf Genusstour „im Wachauerlandl“

Auf Genusstour „im Wachauerlandl“

Als es noch kein Internet, kein Netflix und kein Smartphone gab, da saßen wir als Kids am Wochenende nachmittags vor dem Fernseher und wurden mit alten Schwarz Weiß Heimatfilmen beglückt. Manchmal waren sie auch bereits in bunt gehalten, aber der Inhalt war der Gleiche: Einfache Geschichten mit glücklichen Menschen in wunderschöner österreichischer Landschaft, sehr oft in der Wachau. Damals wie heute: Ich liebe österreichische Heimatfilme und schon als Kind und Jugendliche hatte es mir besonders das „Mariandl aus dem Wachauerlandl“ angetan. Dazu stehe ich auch heute noch: Alle drei Versionen (der Nachkriegsfilm „Der Hofrat Geiger“ aus 1947 sowie die Versionen aus den 1960er Jahren mit Conny Froboess und Peter Weck) kenne ich auswändig, immer noch.

Ich komme also nicht umhin, bei Familienausflügen in die Wachau meinen Nichten, Neffen und mitreisenden Hunden gegebenenfalls so wichtige Infos zu geben wie: „Schau hier, am Brunnen in Krems-Stein, da hat Conny Froboess als Mariandl ihr Pferd getränkt“, oder aber auch „Von hier ist der gleiche Blick wie damals vom Bankerl, wo Paul Hörbiger und Maria Andergast saßen“ oder noch spannender: „Hier unter dem Stift Dürnstein direkt an der Donau ist damals das Film-Auto von Peter Weck eingegangen“. Nun ja, ich gebe zu – diese Stories stoßen heutzutage auf sehr geringes Interesse bei den Kids, aber die Wachau ist eben eine großartige Filmkulisse, bis heute – inkl. Filmkulisse für die Verfilmung von Mankells „Die Rückkehr des Tanzlehrers“.

Beim Winzer wohnen, im Gastgarten nahe der Donau sitzen, eine Tour mit dem Weinhauer durch seine Rieden machen oder einfach nur beim Heurigen einkehren, ein Achterl vom Wachau DAC trinken und ein paar Aufstrichbrote essen: Die Wachau ist halt eine pittoreske und genussreiche Wohlfühlregion – vor allem in den warmen Monaten. Und dass wussten die Filmemacher nach dem Krieg genau so gut wie heute. Auch die „Starnacht in der Wachau“ erfreut sich – eben wegen dieser Atem beraubenden Kulisse in Rossatz mit Blick auf den blauen Kirchenturm des Stifts Dürnstein – immenser Beliebtheit im TV.  Und wer in der Wachau beim Winzer, im Hotel in den Weinrieden oder am Campingplatz nächtigt, der kriegt diese Kulisse der steilen Weinberge immer auch gratis mitgeliefert. Womit wir beim Wein wären, dem Inbegriff dessen, was die Wachau immer schon ausmachte und macht. Neben dem „Mariandl aus dem Wachauerlandl“.

Der Wachauer Wein

Das Weinbaugebiet der Wachau – das enge Donautal zwischen Krems und Melk in Niederösterreich – steht für steile Terrassen und ganz unvergleichliche Weine, die schon lange über alle österreichischen Grenzen hinweg in aller Welt seine Liebhaber findet. Seit dem Jahrgang 2020 dürfen auch sie hier als „Wachau DAC“ deklariert werden. Ein Weinbaugebiet mit dem Status eines DAC Gebiets („Districtus Austriae Controllatus“) – damit ist der Focus der Wachau auf zwei bestimmte Sorten, nämlich Grüner Veltliner und Riesling gerichtet und dieser Status eine besondere Kennzeichnung, die in Österreich bereits für 15 spezifische DAC Weinbaugebiete vergeben wurde. Topwinzer und Spitzengastronomen sind in der Wachau beinahe auf Schritt und Tritt zu finden – auf beiden Seiten der Donau. Die bekannten Vinea Marken, nämlich Steinfeder, Federspiel und Smaragd, sind besonders charakteristische Wachauer Weine, die seit 1984 vermarktet werden: Trockene Weißweine ohne Anreicherung oder spürbaren Einfluss von Holz. Die Wachau hat 155 Haupt- und Subrieden – alle können wir nicht kennen, aber besonders bekannt ist der 1000 Eimer Berg in Spitz. Wobei wir schon wieder beim Mariandl von 1947 wären, denn dort hat sich der Herr Hofrat Geiger damals in das allererste Mariandl verschaut, in Spitz an der Donau. Mehr Fachliches über das wohl bekannteste Weingebiet Österreich gibt es online auf Österreich Wein nachzulesen.

Die Wachauer Marille

Soweit ich mich erinnere, kommt die Marille oder der Genuss derselben in keiner Mariandl Verfilmung vor. Jedoch ist die Marillenblüte in der Wachau normalerweise jährlich im Frühling wahrlich ein touristischer „Bestseller“: Busgruppen und Wagenladungen von Menschen wollen dabei sein, wenn die Marillenblüten von mehr als 100.000 Marillenbäumen duften und die Landschaft nochmal malerischer machen mit ihrer weißen Blüte. Im Jahr 2020 war es leider mit der Marillenernte im Juli nicht soweit her:  Acht sehr strenge Frostnächte im März und April haben die lang ersehnte Ernte dieses Jahr zu 90% zunichte gemacht – für die Obstbauern ein „Totalausfall“. Die Marillenprodukte jedoch sind noch erhältlich: Chutneys, Marmeladen, Jams, Edelbrände oder der hochbegehrte Marillenlikör in diversen Varianten und vieles mehr – diese und andere regionale Mitbringsel erfreuen sich bei einem Ausflug in der Wachau seit Jahrzehnten großer Beliebtheit.

Die Wachauer Marille ist eine geschützte Ursprungsbezeichnung für Marillen aus dieser Region. Ab  1890 erfolgte hier die Einführung der Marille als Ertragsobst. Seither ist der Marillenanbau eine nicht wegzudenkende Säule der Wachauer Wirtschaft und auch des Tourismus. Man trinkt nach dem Essen ein Marillenschnapserl, nimmt ein paar Marillenknödel zum Dessert und bringt den Daheimgebliebenen ein Likörchen oder eine Marmelade mit. Ganz echt aus der Wachau, der Heimat der Marille. Obwohl, ganz ehrlich: Auch anderswo in Österreich haben wir in normalen Jahren reichlich Marillenernte. Aber die Wachauer Marille, die gibt´s halt nur hier, denn: Das Siegel mit „Original Wachauer Marille“ dürfen nur Produkte jener Produzenten führen, die bereits seit mehr als 60 Jahren die in der Wachau üblichen Sorten kultivieren und produzieren.

Und auch die Events rund um die Wachauerprodukte, den Wein und die Marillen sind in „normalen“ touristischen Jahren quasi nicht enden wollend: Weinfrühling, Weinherbst, Weintaufe, Marillenkirtag, Wachau Gourmetfestival – fast jede Gemeinde frönt ihrer Produkte und ihrer unvergleichlichen Landschaft jährlich mit zahlreichen Veranstaltungen.

Mir persönlich fehlt unter den Events dann allerdings doch ein Sommerkino mit den Mariandl-Filmen in Endlosschleife – vielleicht in Spitz direkt an der Donau. Wär´ DAS nicht eine Idee für die nächste Saison?

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