Schloss Hof © Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H._Severin Wurnig (1)_panorama

Auf den Spuren Maria Theresias und ihrer Töchter

Auf den Spuren Maria Theresias und ihrer Töchter entlang der Donau

Die große Maria Theresia ist eine der wenigen Habsburgerinnen, die, neben Kaiserin Elisabeth, bis über die deutschsprachigen Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Sie steht dabei für politische Durchsetzungskraft, barocke Lebensfreude und Schlosskultur, aber auch für ihren immensen Kinderreichtum und die damit verbundenen Schicksalsschläge sowie ungeraden Lebenswege der einzelnen Söhne und Töchter.

Letztere sind es, deren Wirken entlang der Straße der Kaiser und Könige wir hier in den Blick nehmen. Wie prägten Maria Theresia und deren Töchter einzelne Stationen der Route, welchen Einfluss nahmen sie auf Kunst und Kultur? Und vor allem: Wo können wir ihrem weltlichen Erbe noch heute begegnen? Welche Orte ermöglichen eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert, in eine Welt zwischen höfischen Intrigen, pudrig-pastellfarbenen Reifröcken, rauschenden Festbanketten und, insbesondere für Frauen, schier unüberwindbaren gesellschaftlichen Zwängen? Kommen Sie mit auf eine maria-theresianische Spurensuche entlang der Donau!

Maria Theresia als Herrscherin mit Zepter, Erzherzogshut und Hauskrone. Ölgemälde von Martin van Meytens (zugeschrieben), um 1745
Maria Theresia
Schlossmuseum Linz © Gisela Gruber
Schlossmuseum Linz © Gisela Gruber
Das Linzer Schloss

Um die Töchter einordnen zu können, sollte man zunächst die Mutter unter die Lupe nehmen. Beginnen wir also bei Maria Theresia selbst: Als schwer zu übertreffendes Vorbild ihrer Töchter lenkte sie deren heiratspolitische Schicksale mit eiserner Hand. Bei öffentlichen Auftritten muss das blonde Reserl herrschaftlich-imposant und strahlend schön zugleich gewirkt haben! Den staunenden Kindern erzählte man mit Sicherheit von den glänzenden Prunkumzügen der Mama – so auch von der elaborierten Erbhuldigungszeremonie im Schloss Linz: Bereits ihr Einzug in die Stadt im Jahre 1743 wurde von Tausenden OberösterreicherInnen bejubelt. Im Rahmen des altehrwürdigen Zeremoniells begleiteten die glamourös geschmückten Adelsstände die Kaiserin vom Schloss Linz zum Heiligengeistamte in die Stadtpfarrkirche.

Die österreichischen Erbländer, zu denen u.a. Ober- und Niederösterreich gehörten, gingen automatisch auf das neue Staatsoberhaupt über, doch mithilfe des Erbhuldigungs-Rituals affirmierte Maria Theresia sowohl ihren eigenen Status als Landesherrin, als auch die mittlerweile 18 Erbämter. Kurioserweise gab es sogar einen Jägermeister, der mit seinem Bluthund vor der Kirche wartete. Die hierfür über die Jahre verwendeten Hundehalsbänder sind noch heute im Schlossmuseum Linz ausgestellt. Wer einen Einblick in die Kultur- und Landesgeschichte Oberösterreichs werfen und dabei auch noch auf barock-habsburgischen Pfaden wandeln möchte, dem sei das größte Universalmuseum Österreichs ans Herz gelegt!

Burg Clam bei Nacht
Burg Clam Nachtaufnahme ©Burg Clam
Burg Clam

Welche Adelshäuser standen bei Maria Theresia und Familie eigentlich in hoher Gunst? Ich empfehle eine Reise in die etwa zwei Stunden von Linz entfernte Burg Clam: Deren vormalige Bewohner wurden nicht ohne Grund von der Herrscherin im Jahre 1759 per Diplom vom Grafen- in den Freiherrenstand erhoben. Erfolgreich ist die Familie noch heute: Statt hochherrschaftlichen Bällen richtet die Familie Clam, die übrigens die Burg nach wie vor bewohnt, hochkarätige Open-Air-Konzerte aus. Im Juli 2022 etwa gibt es das mittlerweile legendäre Clam Rock 2022 mit Deep Purple, Uriah Heep, John Cale und The Sweet. Es lohnt sich, immer mal wieder auf der Konzerte-Website vorbeizuschauen! Maria Theresia sei Dank für die spektakulären Konzerterlebnisse, die auf der Meierhofwiese vor der Burg für bis zu 10.000 TeilnehmerInnen stattfinden.

Wer dann doch den musealen Aspekt eines Burgbesuchs präferiert, der kann auch einfach nur die Burg von innen und außen anschauen. Einzigartig sind dabei die Waffenkammer, die Porzellan Sammlung und auch die Burgapotheke. Zu welchen Kräutern man im 18. Jahrhundert griff, um allerlei Zipperlein in den Griff zu bekommen, wird hier wunderbar veranschaulicht.

Schloss Starhemberg (c) Andreas Kranzmayr
Schloss Starhemberg (c) Andreas Kranzmayr
Schloss Starhemberg in Eferding

Ebenfalls unweit von Linz befindet sich das Schloss Starhemberg. Dieser fürstlichen Familie entsprang auch die berüchtigte Maria Ernestine Esterházy Starhemberg: Maria Theresias Töchtern wird sie gewiss als schlechtes Vorbild paradiert worden sein! Schließlich betrog die unglückliche Gräfin ihren Ehemann, Graf Ferenc Esterházy de Galántha, versuchte – nun schwanger! – mit dem Geliebten, Graf Schulenburg, zu fliehen, was jedoch in eine Zwangseinweisung in ein Konstanzer Kloster mündete.

Nach erneuter Flucht und der Abgabe ihres Kindes an ein Waisenhaus, wie es Maria Theresia befohlen hatte, wurde Schulenburg in Wien zum Tode verurteilt, jedoch auf Wunsch des Ehemanns (!) begnadigt. Nach vielen Jahren im Exil versöhnte sich Maria Ernestine mit Esterhazy. Im fürstlichen Museum in Eferding wird das spannende Leben und Wirken dieses uralten Adelsgeschlechts beleuchtet.

Selbstbildnis der Erzherzogin Marie Christine, Gouache, um 1763©Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Sascha Rieger/Sammlung KHM Gemäldegalerie
Selbstbildnis der Erzherzogin Marie Christine, Gouache, um 1763©Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H./Sascha Rieger/Sammlung KHM Gemäldegalerie

Vor allem eine Tochter Maria Theresias entwickelte sich so, wie es sich die Herrscherin vorstellte: Die Rede ist von Marie Christine, die von der Mutter Mimi genannt wurde. Sie war die einzige aus der Töchterschar, die aus Liebe heiraten durfte. Lag diese Bevorzugung vielleicht auch daran, dass beide am selben Tag (dem 13. Mai) Geburtstag feierten?

Schloss Hof

Albert von Sachsen-Teschen ehelichte sie 1766 auf Schloss Hof, dem unvergleichlichen Marchfeldschloss Prinz Eugens. Die Schlosskapelle, in der die Trauung vorgenommen wurde, kann man im Rahmen der Schlossbesichtigung erkunden. Da kurz zuvor der Vater, Kaiser Franz Stephan I., in Innsbruck verstorben war, trugen die Anwesenden allesamt schwarz – mit Ausnahme der Braut, die, so heißt es, wie ein Schwan unter Raben in einem weißen, edelsteinbesetzten Kleid erschien.

Schloss Hof hat in diesem Jahr auch etwas ganz Besonderes zu bieten: Noch bis zum 01.11.2022 zeigt die Sonderausstellung „Kaiserliche Tafelschätze“ edles Porzellan und Silber aus der kaiserlichen Hofsilber- und Tafelkammer, wie es auch anlässlich von Mimis Hochzeit verwendet wurde. Wie speiste die kaiserliche Familie rund um Maria Theresia, mit wieviel Glamour wartete man zu besonderen Anlässen auf?

Abgerundet wird das Sonderprogramm mit einer Ausstellung auf dem benachbarten Schloss Niederweiden. Dort blickt man hinter die Kulissen – und zwar in die Hofküche, die für das Bereitstellen der kaiserlichen Festtafel ordentlich schuftete.

„Lebensrealitäten einer Erzherzogin. Kinder oder Kloster?“

Als adelige Frau hatte man im 18. Jahrhundert die Wahl zwischen Verheiratung mit einem eventuell unliebsamen Ehemann, oder dem Eintritt in ein Kloster. Denn: Es musste stets einen Mann (Vater, Ehemann oder Bruder) im Leben der Frau geben, der als ihr Vormund in sämtlichen Belangen ihres Lebens agierte. Und wer wollte sich schon sein Leben lang um seine unverheiratete Tochter oder Schwester kümmern?

Oftmals wurden für weibliche Säuglinge bereits Plätze in Adelsstiften reserviert, um die ungewisse Zukunft abzusichern. Wusste man denn, ob das kleine Wesen sich in eine attraktive Dame entwickeln würde, die sich auf dem Heiratsmarkt gut an den Mann bringen ließ? Denn so wollte es die damalige Sitte: Die Eltern verhandelten oftmals um die Verheiratung der Tochter, welche möglichst gute Erbanlagen mitbringen sollte. Gebärfähig, dem Ehemann unterwürfig, gesellschaftsfähig – so hatte eine gute Partie zu sein. Weibliche Gelehrsamkeit lehnte man zumeist ab, da sie den Charakter verderbe.

Bratislava © MS Agency
Bratislava © MS Agency
Die Burg von Bratislava

Lieblingstochter Mimi und ihr Albert von Sachsen-Teschen – der übrigens später die Wiener Albertina gründen sollte – zogen nach der Trauung, am Abend des 13. April, in Preßburg ein. Die heute als Bratislava bekannte Hauptstadt der Slowakei war im 18. Jahrhundert noch die Hauptstadt Ungarns. Hier wohnte die Crème de la Crème der höheren Gesellschaftsschicht, und das junge Paar verbrachte ein ruhiges Jahrzehnt in der Burg von Bratislava. Heute gibt es im dort ansässigen historischen Museum zahlreiche Gemälde aus längst vergangenen Zeiten zu bestaunen. Eine Sammlung historischer Funde und ein Konzertsaal, der im 18. Jahrhundert noch als Kapelle fungierte, gewähren uns einen Einblick in die Geschichte der Burg und damit auch in die Lebenswelten Mimis und Alberts. Wer den Schlossturm erklimmt, dem wird eine fantastische Panoramaaussicht auf die Innenstadt geboten. Bei gutem Wetter und klarer Sicht lässt sich sogar das gar nicht so weit entfernte Wien erspähen. Mimi und Albert nutzten diese Nähe übrigens, um die kaiserliche Residenzstadt des Öfteren zu besuchen, womit Mimi eine der wenigen Töchter Maria Theresias war, die die Mutter auch in späteren Jahren noch von Angesicht zu Angesicht erleben durfte.

Lust auf weitere Ausflüge ins 18. Jahrhundert? Kein Problem: Die Galerie der Stadt Bratislava im Mirbach Palais wurde zwischen 1768-1770, also genau zur Statthalterzeit Mimis und Alberts, erbaut. Die Dauerausstellung mit mittelosteuropäischen Barock-Gemälden und Skulpturen lässt erahnen, wie prachtvoll man damals als Adeliger die eigenen vier Wände schmückte.

Budapest © Hungarian Tourism Agency
Budapest © Hungarian Tourism Agency
Die Budaer Burg - Budapest

Verschlug es das erzherzogliche Paar auch mal ins heutige Budapest? Mit Sicherheit, wie Maria Theresias brieflichen Instruktionen an die geliebte Tochter zu entnehmen ist: So wies sie Mimi an, in Ofen (damals war Budapest noch in zwei Teile, Pest und Ofen, geteilt) bei Hofe eine zweite Tafel für die Edelleute zu geben. Wie man den Tisch damals deckte, haben wir ja schon anhand der Sonderausstellungen auf den Schlössern Hof und Niederweiden gelernt. Und wo hielten die Habsburger in Budapest Hof? Natürlich in der Budaer Burg, die so prächtig über der Donau thront, dass ihr Besuch ein Muss für alle Budapest-Reisenden ist.

Das Historische Museum (Budapesti Történeti Múzeum) ist nur eine der vielen Sehenswürdigkeiten des Burgviertels. Hier wird selbstverständlich auch aus der habsburgischen Geschichte erzählt, schließlich ließ Maria Theresia die Residenz extra barock umbauen und mit einem Thronzimmer versehen! Da etliche Räume der Burg im Zweiten Weltkrieg einem Feuer zum Opfer fielen, konzentriert man sich nun auf die sukzessive Wiederherstellung wichtiger Abschnitte. Es entbehrt nicht einer gewissen Romantik, sich die alten Gemälde und Fotos anzuschauen und darüber nachzudenken, wie Marie Christine und Albert einst durch die Gemächer schritten und hochkarätige Gäste empfingen.

Nicht verpassen sollte man den ursprünglich 1902 errichteten und nun wiederhergestellten Stephansaal! Stephan gilt als erster König Ungarns und Nationalheiliger, dem man natürlich auch schon zu Barockzeiten huldigte. Im holzvertäfelten  und über und über mit Gold versehenen Saal begegnet man übrigens einer berühmten Nachfahrin Marie Christines: Die in Ungarn hochverehrte Kaiserin (hier: Königin!) Elisabeth wird Altar ähnlich als Heilige Elisabeth dargestellt.

Dass diverse Habsburgerinnen auch an geistlichen Orten ihres riesigen Reiches tiefgreifende Spuren hinterließen, wird das nahtlos daran anschließende Thema des nächsten Beitrags sein!

Quellen/Weiterführende Links:

„Clam Rock 2022“ – Tickets und Infos bei oeticket .

Erlebniswelt Burg Clam 

„Gräfin Maria Ernestine von Starhemberg (1754 – 1813)“. In: de.esterhazy.net. Online: http://de.esterhazy.net/index.php/Gr%C3%A4fin_Maria_Ernestine_von_Starhemberg_(1754_-_1813) [24.03.2022].

„Krisztinaváros“. In: Wikipedia. Online: https://en.wikipedia.org/wiki/Krisztinav%C3%A1ros [31.03.2022].

„Museum der fürstlichen Familie sowie der Stadt Eferding“. In: starhemberg.com. Online: https://starhemberg.com/museum [24.03.2022].

Mutschlechner, Martin: „Die Erbhuldigung“. In: Die Welt der Habsburger. Online: https://www.habsburger.net/de/kapitel/die-erbhuldigung#:~:text=Wenn%20ein%20Habsburger%20die%20Herrschaft,die%20als%20Erbhuldigung%20bezeichnet%20wurde. [23.03.2022].

Neumann, Joseph/Miltner, Franz/Miltner, Jindřich Otakar: Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen und Medaillen. I. Abtheilung: Personenmünzen. Prag 1852, S. 60.

Pangels, Charlotte: Die Kinder Maria Theresias. Leben und Schicksal in kaiserlichem Glanz. München 1980.

Praschl-Bichler, Gabriele: Alltag im Barock. Graz/Wien/Köln 1995.

Schäfer, Joachim: „Stephan I. von Ungarn“. In: Ökumenisches Heiligenlexikon. Online: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienS/Stephan_I_von_Ungarn.htm [31.03.2022].

„Schloss Linz“. In: Austria-Forum. Online: https://austria-forum.org/af/Heimatlexikon/Schloss_Linz [22.03.2022]. Der Text und die Literaturangaben sind vom Austria-Forum aus dem Buch Österreichisches Burgenlexikon – Schlösser, Burgen und Ruinen (1991) von Georg Clam-Martinic übernommen.

Ulm, Benno: „Das Schloßmuseum zu Linz. Von der Burg zum Museum.“ In: Biologiezentrum Linz Sonderpublikationen. Sonderband: 150 Jahre Oberösterreichisches Landesmuseum, Oberösterreichischer Musealverein, 1983, S. 55-70.