Klösterreise von Bayern nach Oberösterreich

Klöster entlang der Donau

Was uns Klöster heute sind. Eine Kloster-Reise von Bayern nach Oberösterreich entlang der Donau.

Unsere heutige Zeit beeinflusst längst das Leben auch hinter den Klostermauern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Klöster sich im Internet präsentieren, einen Blog betreiben, auf den Sozialen Medien mitreden und ihre Pforten für jedermann, aber auch fast immer schon für „jedefrau“ öffnen. Dass die Patres in Facebook von ihrem Urlaub erzählen und Messen auf Twitter mitgestaltet werden können. Auch Klöster müssen heute mehr als früher „können“: Sie fungieren als Gastgeber, für eine „Einkehr auf Zeit“, als Yoga-Location oder helfen uns dabei, wieder unsere Mitte zu finden. Ob mit Schweigen, Meditation oder Kräuterkursen – Klöster bieten mittlerweile fast alles an, was wir für unser Wohlbefinden zu brauchen glauben.

Es mag im ersten Moment abstrus klingen. Klöster, Mönche und Patres mit Wellness, Digital Detox oder Fasten-Wochen  in Verbindung zu bringen. Dabei liegt es auf der Hand: Klöster waren nicht immer ausschließlich Rückzugsorte des Gebets für die Bewohner.

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Gast-Sein im Kloster

Je nach Orden hatten Klöster von jeher fast immer auch andere Pflichten als das Gebet, die Arbeit oder die Seelsorge. Sie boten auch Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende zu Pferd und mit Kutsche, die entlang der Straße der Kaiser und Könige unterwegs waren oder untertags per Schiff auf der Donau reisten und für die Nacht im Kloster einkehrten. Viele Klöster hatten früher eigene Theatersäle, um die Nächtigungsgäste auch am Abend unterhalten zu können. So wurde Marie Antoinette auf ihrer Brautfahrt nach Paris im Stift Lambach erfrischt, verköstigt und auch mit einer Theatervorstellung erfreut. Viel Erfreuliches wartete dann ja nicht mehr auf sie, wie wir heute wissen.

Auch Familie Mozart kehrte auf ihren zahlreichen Reisen stets in Klöstern ein: Nicht ohne schnell zwischendurch auch mal für die Gastgeber zu komponieren oder für andere Gäste zu musizieren. Wolfgang A. Mozart war in seinem kurzen Leben fast mehr auf Reisen als daheim, Klöster-Unterkünfte waren da gang und gäbe. Die Benediktiner haben zudem  in ihren Ordensregeln verankert, Reisende aufzunehmen und ein gastliches Haus zu bieten – dieser Gedanke zieht sich heute durch alle Gästehäuser von Benediktinerklöstern.

Klöster waren Orte des Archivs für Musikstücke und handschriftliche Noten. Kopisten reisten in Europa von Ort zu Ort, um diese Musikstücke zu sammeln und fanden dann nur in den Klöstern geeignete Schreibstuben, um schließlich regionale  Werke zu „kopieren“, also abzuschreiben und in die Heimat zu bringen.

Heute findet man bei den Klöstern entlang der Donau eine noch größere  Vielfalt an Zusatz-Angeboten für Urlauber, Radfahrer, Ausflügler, Ruhesuchende und Pilger als einst.  Denn Klöster sind heute Wirtschafts-Betriebe, die erhalten und bewirtschaftet werden müssen, beheizt und restauriert werden sollen. Kein leichtes Unterfangen, wie jedes große Unternehmen scheitert es oft am Geld – durch diese Zusatzleistungen und die Öffnung nach außen soll der Betrieb Kloster sich finanzieren.

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Raus aus den Klostermauern, rein in´s Leben.

Ganz nah an der deutschen Grenze liegt das einzige Trappistenkloster Österreichs in Engelszell. Die Trappisten leben immer noch zurückgezogen ohne externe Seelsorge Aufgaben, aber wenn es um „authentische Trappisten-Produkte“ geht, nämlich um den Verkauf ihrer Biere und Liköre, dann treten auch sie ein wenig in die Öffentlichkeit. Über den Klosterladen und sogar einen Online Shop kommt man in den Genuss dieser Produkte: Dabei sind es nur noch neun Brüder, die hier leben und arbeiten, dazu kommen einige Angestellte.

Stift Reichersberg

Um die Ecke und ebenfalls ganz nah an Deutschland liegt das Stift Reichersberg der Augustinger Chorherren, das den Sprung in unsere heutigen modernen Zeiten geschafft zu haben scheint. Eine perfekte und hochaktuelle Website, zahlreiche Kulturveranstaltungen, Galerie-Events, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein eigenes  Bildungszentrum – hier rennt das Werkl, wie man in Österreich gerne sagt. Dazu ein ungewöhnlich  junger Probst,  ein eigener Wirtschaftsdirektor und viele Chorherren, die ihren Pflichten auch außerhalb der Klostermauern und damit „im echten Leben“ täglich nachgehen und nur zu den Morgen- und Abendgebeten anwesend sind. Führungen sind hier ganz selbstverständlich und besonders gerne ist es gesehen, wenn man auch als Ausflügler an den Gebeten der Chorherren teilnimmt. Auch wenn man als Außenstehener nicht immer der Reihenfolge der Gebete und Psalmen folgen kann – manchmal ist es auch genug, nur zu lauschen und dabei seinen Gedanken nachzuhängen.

„Mit Freude leben“ ist der Leitsatz im Stift Reichersberg. Ein besonders schöner Spruch, der zeigt, dass das Klosterleben nicht immer nur stumm und hinter dicken Mauern in der Klausur stattfindet, sondern hinaus geht: Zum Gast, zum Ruhesuchenden, zum Kulturliebhaber und zu jenen, die das Gespräch suchen. All das kann man heutzutage in den Klöstern „buchen“ – dazu oft auch Gesundheitsangebote.

Zisterzienser Stift Wilhering & Stift St. Florian

Rokoko im Donautal? Das Zisterzienser Stift Wilhering sieht sich trotz seines Prunks „ganz nah an den Menschen“ – nicht nur über das eigene Stiftsgymnasium und die Jugend, sondern vor allem über die Kultur, das Musikarchiv, die Kunst-Sammlungen. Riesige Landwirtschaften werden hier noch bewirtschaftet und teils verpachtet. „Kunst, Genuss und Seele“ – die Abtei Schweiklberg bringt auf den Punkt, wofür ihr Haus in der heutigen Zeit steht und es findet sich auch Zeit, um Hilfsprojekte in Afrika tatkräftig zu unterstützen.

„Kloster Vollerleben“ – so ungewöhnlich lädt das Stift St. Florian in seine Klostermauern ein: Kinder, Jugendliche, Pilger, Urlauber und hungrige Ausflügler. Hier, wo Anton Bruckner Organist war und die bekannten Brucknertage stattfinden,  stehen uns Interessierten oder Suchenden wirklich fast alle Tore offen. Mitleben, Einkehren für kurz oder lang, Mitbeten, Schnuppern, Gespräche suchen, Exerzitien oder einfach sonntags hervorragend (auch vegan) hier essen. Stift St. Florian ist eine ganz besonders unkomplizierte Art, um herauszufinden, wie Kloster auch heutzutage ticken können.

Orden der Marienschwestern vom Karmel

Nahrung für die Seele: Der Orden der Marienschwestern vom Karmel übernahm in den 1930er Jahren das Kneipp Zentrum in Bad Mühllacken im Pesenbachtal und ist heute in Sachen „Traditionelle Europäische Medizin“ Platzhirsch beim Fasten und Detoxen. Denn Kräuter und Stiftsgärten waren von jeher auch die Aufgabe von Ordenshäusern, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die einfachste Möglichkeit, ein Kloster kennen zu lernen ist die Führung, die fast überall angeboten wird und meist durch die Prunkräume, die Innenhöfe, die Festsäle und den Kreuzgang, oft auch in die traumhaften Bibliotheken sowie Refektorien führt. Manch ein Kloster zeigt seinen Fischkalter, andere sind stolz auf ihre Kunstschätze, ihr Musikarchiv, Reliquien oder die engagierten Mitbrüder, die in den Pfarren, als Seelsorger oder Lehrer tätig sind. Beim Abendgebet in Stift Reichersberg etwa klingelt schon mal versehentlich das Handy eines Bruders, während der andere im Motorrad-Outfit direkt von der Gefängnisseelsorge hereinschneit. Das sind die kleinen Augenblicke, in denen wir als Kurzzeitbesucher im Kloster merken:

Das Klosterleben ist ein weites Land und so vielfältig wie unser Leben außerhalb der Klosterleben es auch ist. Ein Kloster ist heute eine Firma, die überleben muss. Ein Betrieb, der funktionieren soll und eine Familie, in der sich nicht immer alle grün sind. Wie im echten Leben.

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Link Tipps zu weiteren Klöstern nahe der Donau
Kulinarik im Kloster – Hidden Secrets