Außenansicht Hofburg Innsbruck, © Burghauptmannschaft Österreich

Die geistlichen Spuren Maria Theresias und ihrer Töchter

Erzkatholisch: Die geistlichen Spuren Maria Theresias und ihrer Töchter

Das Haus Habsburg und der Katholizismus sind seit jeher untrennbar miteinander verwoben. Dieser Zusammenhang manifestiert sich nicht zuletzt in der allseits bekannten Wiener Kapuzinergruft, in der etliche Mitglieder des einstigen Herrscherhauses in prunkvollen Sarkophagen der Ewigkeit entgegensehen. Wir nehmen Sie diesem Beitrag auf weit unbekanntere Pfade der habsburgischen Religionsmanie mit, und zeigen ihnen jene Orte, an denen Maria Theresia und ihre Töchter ihre geistlichen Spuren hinterlassen haben. Welche Pilgerorte waren für die Herrscherin und die Erzherzoginnen von Bedeutung, und welche Rolle spielte die religiöse Erziehung? Es ist eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert, in dem Frömmigkeit und Vampirkult nebeneinander existierten. Und unsere Habsburgerinnen waren stets mittendrin!

Warum war die Religion eigentlich so wichtig für das Herrscherhaus? Es lassen sich zwei wesentliche Punkte feststellen: Auf der einen Seite gehörte es zum Selbstverständnis der Habsburger, anzunehmen, Gott hätte sie auf Erden als seine Stellvertreter eingesetzt, um möglichst religionsnah zu walten. Auf der anderen Seite nutzte man die katholische Konfession selbstverständlich auch zur Machtausübung: Wo sonst konnte man die Untergebenen in großem Rahmen geschickter maßregeln als von den Kanzeln barocker Sakralbauten?

AlterDomLinz(c)tourismusverbandlinz

Beginnen wir routenmäßig wieder beim Ausgangspunkt des letzten Beitrags  – im oberösterreichischen Linz. Wie wir bereits gelernt haben, verheiratete Maria Theresia ihre Töchter stets gewinnbringend an denjenigen Fürsten, der die sicherste, die Dynastie weiter voranbringende Allianz bieten konnte. Schaffte es eine Tochter nicht, sich einen derart vermögenden Gatten zu angeln, so blieb ihr eigentlich nur noch der Platz als Stiftsdame in einem Kloster. So geschehen mit Erzherzogin Maria Elisabeth, der zunächst schönsten, aber auch scharfzüngigsten der Töchterschar. Obwohl es etliche Verehrer gab, wie König Stanislaus II. August von Polen und den französischen Herzog von Chablais, scheiterten die Anbahnungsversuche aus politischen Gründen. Aufgrund ihrer koketten Schönheit hatte Liesl jedoch nicht zu befürchten, leer auszugehen – oder? 1767 änderte die Wiener Pockenepidemie den Verlauf der Geschichte, indem sie Maria Elisabeth so sehr entstellte, dass sie fortan als unvermittelbar galt. Was ihr blieb, war ihr derber Humor, der sie nicht selten anecken ließ. Ihre letzte Ruhe fand die im Alter eher beleibte und daher als kropferte Liesl berüchtigte Tochter in der Linzer Jesuitenkirche (Alter Dom), in der man sie 1808 beisetzte.

Doch wie verbrachte sie die Jahre zwischen 1767 und 1808? Nun, nach dem Tod ihres Gemahls Franz Stephans in der Innsbrucker Hofburg hatte Maria Theresia ein adeliges Damenstift ins Leben gerufen, in dem man für das Seelenheil des verstorbenen Gatten betete. Das Sterbezimmer Franz Stephans wurde in eine Kapelle umfunktioniert, und kann noch heute in der Hofburg besichtigt werden.

1781 trat Maria Elisabeth hier ihre Stelle als Stiftsleiterin an, die sie mit Hingabe ausfüllte. Sie sprach ohne Scheu stets die Wahrheit aus, wofür sie die Innsbrucker überaus verehrten.

Das Adelige Damenstift beherbergt übrigens heute noch immer einige wenige Stiftsdamen. Einige Räumlichkeiten des Stifts wurden in den 1930ern zu einem Stiftskeller umgebaut, in dem man heute zünftig speisen und zu Ehren Maria Elisabeths anstoßen kann.

Die Töchter Maria Theresias wurden, ob zukünftige Stiftsdame oder reich verheiratete Partie, allesamt äußerst religiös erzogen: So gab es an jedem Tag morgens und abends das obligatorische Gebet samt Kreuzzeichen, am Nachmittag folgte das Beten des Rosenkranzes. All dies wurde selbstverständlich strengstens überwacht! Und auch in späteren Jahren, dann, wenn die Töchter längst das elterliche Nest verlassen hatten, wirkte die Übermutter Maria Theresia noch per Brief auf die geistlichen Gepflogenheiten ihrer Töchter ein.

Auch bei Tisch wär äußerste Strenge angesagt: Fastengebote etwa durften keinesfalls gebrochen werden! Da gab es neben der Fastensuppe nur mehr Eier- und Mehlspeisen, jedoch keinerlei Süßigkeiten, Obst, Gebackenes oder Kaffee. Auch diejenigen Töchter, denen der an Fastentagen servierte Fisch Bauchweh bereitete, wurden trotz aller Weigerung dazu gezwungen, diesen zu verspeisen. Dies galt auch für die Kleinsten, so etwa für die fünf und sechs Jahre zählenden Töchter Josepha und Johanna.

Die Mutter selbst ließ es sich an geistlichen Pilgerstätten ausnehmend gutgehen, so etwa im niederösterreichischen Stift Melk: Dort gab es zum Besuch der Kaiserin satte 587 Pfund Rindfleisch, 743 Pfund Kalbsfleisch, 23 Hasen, Ochsenzungen, Karpfen sowie viele andere Leckereien. Eingedeckt wurde die Tafel im stiftseigenen Prälatensaal für 40 Personen von höchstem Rang samt den übrigen Gästen, die an 17 weiteren Tischen Platz nahmen. Die Klosterschule des Stifts ernannte sie übrigens 1775 zu einem sogenannten gymnasium publicum – und ermöglichte somit einer Vielzahl von SchülerInnen der noch heute bestehenden Schule eine ausgezeichnete Ausbildung. Frömmigkeit und Erziehung gingen so Hand in Hand!

StiftMelk_Besuch Maria Theresia (c)Stift Melk/Kobler
Wallfahrten und Kirchenfesttage

Für die Habsburger waren Wallfahrten schon immer ein ganz großes Thema: Sie stellten öffentlich praktizierte sakrale Handlungen dar, die jedes Jahr aufs Neue durchgeführt wurden. So wallfahrte Maria Theresia etwa nach Klosterneuburg, Mariazell, sowie selbstverständlich zu den sakralen Stätten Wiens. Dabei wurde stets darauf geachtet, dass sie keinen geistlichen Orden bevorzugte; vielmehr besuchte sie zu den Festtagen der Ordensheiligen reihum die Augustiner, die Dominikaner, die Schotten – möglichst allen geistlichen Brüdern und Schwestern Freude zu bereiten, das war Maria Theresias Motto. Das Wienerische Diarium berichtete stets darüber, und selbstverständlich hielt man die Wallfahrten und Kirchgänge der Kaiserin publikumswirksam in prachtvollen Kupferstichen fest. Wertvolle Stücke aus der geistlichen Sammlung der Habsburger bietet übrigens die Geistliche Schatzkammer Wien, die bei einem Zwischenstopp in der Hauptstadt mehr als sehenswert ist!

Maria Theresias Lieblingstochter Marie Christine, genannt Mimi, haben ja bereits in meinem letzten Beitrag kennengelernt. Zusammen mit ihrem Gemahl, Albert von Sachsen-Teschen, residierte sie in Bratislava, was damals noch zu Ungarn gehörte. Eine der wichtigsten geistlichen Stätten des Landes ist zweifellos die Benediktinerabtei von Pannonhalma. Das imposant auf dem Martinsberg thronende Kloster wird bis heute von Benediktinermönchen bewohnt, und wurde einst sogar von Mimis Mutter höchstpersönlich besucht! Absolut sehenswert ist die sich in einem klassizistischen Saal befindliche Bibliothek. Es darf vermutet werden, dass Mimi und Albert das nur 100 km von Bratislava entfernt liegende Kloster auch selbst betreten haben.

Heute liegt in der Krypta von Pannonhalma das Herz ihres Nachfahren Otto von Habsburg-Lothringen, seines Zeichens letzter Thronfolger, begraben. Erzherzog Michael von Habsburg-Lothringen ließ diese Gruft im Jahre 2009 errichten. Ottos Herz bildet in puncto Bestattungsort eine der wenigen Ausnahmen: Konventionell wurden die Herzen der Habsburger, so auch jenes von Marie Christine, in der Loretokapelle der Wiener Augustinerkirche, in der sogenannten Herzgruft, bestattet. Genau über dieser Gruft ließ Albert von Sachsen-Teschen übrigens seiner Frau ein großes Denkmal setzen, welches eines der Hauptwerke Antonio Canovas darstellt.

Basilika Esztergom

Aber weiter auf unserer Route: Von Pannonhalma geht es zur Basilika von Esztergom, dem einstigen Sitz der ungarischen Könige und somit der Vorfahren Maria Theresias und ihrer Töchter! Als Kathedrale des Landesprimas ist sie auch die erste Kirche Ungarns. In Esztergom wurde der erste ungarische König, der Heilige Stephan, gekrönt, sodass Ort und Kirche mit Sicherheit in den Lehrstunden der Erzherzoginnen abgehandelt wurden. Für BesucherInnen lässt das Burgmuseums Esztergom mit seinen zahlreichen Exponaten die ungarische Monarchie wiederaufleben.

Doch damit nicht genug der Habsburgischen Verbindungen: Maria Theresia wurde von niemand Geringerem als Imre Esterházy de Galántha, dem einstigen Erzbischof von Esztergom und Fürstprimas von Ungarn, am 25. Juni 1741 in Bratislava zur ungarischen Königin gekrönt. Aufs Haupt gesetzt wurde ihr dabei selbstverständlich die Stephanskrone – eben jene Krone, die der heilige Stephan einst selbst trug. Bei einem Rundgang durch die atemberaubende Basilika lässt sich also durch und durch kaiserlich-königliche Luft schnuppern!

Die Habsburger und das Gottesgnadentum

Wie ihre Vorfahren auch sah sich Maria Theresia ganz konservativ als von Gott als Herrscherin eingesetzt. Eine Rechtfertigung ihrer Macht als Herrscherin erfolgte also nicht vor den Untertanen, sondern vor Gott. Sie war überzeugte Katholikin, sodass beispielsweise Protestantenverfolgungen unter ihrer Herrschaft leider gang und gäbe waren. Einen Schritt in Richtung des Josephinischen Staatskirchentums ging sie jedoch insofern, als dass sie die Kirche unter die Aufsicht des Staates stellte. Es lässt sich also zusammenfassen, dass sie, vom Gottesgnadentum ihres Vaters, Karls VI., ausging, und den habsburgischen Staat langsam aber sicher in eine durch moderne staatliche Prinzipien geprägte Monarchie führte.

Weiterhin auf dem Lehrplan der kaiserlich-königlichen Erzherzoginnen stand mit Sicherheit die slowakische Basilika von den Sieben Schmerzen Mariens in Maria Schoßberg (Šaštín). Niemand Geringeres als Maria Theresia und ihr Franz Stephan weihten die Kirche – abermals begleitet vom Bischof von Esztergom – im Jahre 1736 ein. Auch Mimi wird diese gekannt und geschätzt haben, gehört die Basilika doch zu den bedeutendsten der Slowakei, die ja ehemals zu Ungarn gehörte. Von Bratislava ist die Kirche nur rund 65 km entfernt, was sie für Mimi und Albert, aber auch für all jene, die auf habsburgischen Spuren wandeln möchten, zu einem idealen Ausflugsziel macht. Wenn die größte Orgel der Slowakei ertönt, fühlt man sich inmitten des barocken Interieurs in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

Das 18. Jahrhundert hat für uns Reisende zahlreiche barocke Prachtbauten erschaffen, die es in der ehemaligen k.&k.-Monarchie zu erkunden gilt. Sind uns in unserer weitgehend nicht christlich geprägten Welt so manch geistliche Ansichten der Habsburgerinnen rund um Maria Theresia zwar fremd, so ist es umso spannender, sich beim Wandeln durch alte Gemäuer auch in vormalige Denkweisen hineinzuversetzen. So mancher Besuch eines Gotteshauses eröffnet uns so neue Sichtweisen, die fremde (Habsburger-)Zeiten inspirierend erlebbar zu machen.

 

Text von Julia Meister, www.textrose.de
https://www.blog.der-leiermann.com/vergessene-habsburgerinnen/

Quellen:

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Stollberg-Rilinger, Barbara: Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit. München 2017.

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