Heidentor Carnuntum © Stefan Baumann

Als die Donau Grenze war: Welterbe Donaulimes

Als die Donau Grenze war: Welterbe Donaulimes

Am 30. Juli 2021 war es soweit: Der römische Limes entlang der Donau in Bayern, Österreich und der Slowakei erhielt das langerwartete und ersehnte Siegel eines UNESCO Welterbes.

Bei der UNESCO heißt dies offiziell: „Transnationale Stätte Donaulimes in die Liste des UNESCO Welterbes eingetragen“. Neben der bereits in der begehrten Liste eingetragenen Hadrians- und Antoninus Wälle in England und dem obergermanisch-rätischen sowie dem niedergermanischen Limes in Deutschland ist der Donaulimes ein weiterer Teil des UNESCO Projekts „Frontiers of the Roman Empire“. Der Limes als einstige Grenze des Römischen Reiches zog sich von Nordengland über Europa und den Nahen Osten bis nach Nordafrika. Das große UNESCO Projekt will sämtliche 6000 km dereinst als eine einzige transnationale Einschreibung und als Welterbe vereint und geschützt sehen.

Den längsten Teil des westlichen Donaulimes hätte eigentlich Ungarn mit 400 Kilometer Limes beigetragen, das aber aus dem UNESCO Antrag überraschend ausgestiegen war. So musste der Antrag bei der UNESCO neu bewertet werden, das dauerte. Bislang sind nun also folgende Abschnitte des ehemaligen Limes aus der Blütezeit Roms UNESCO geschützt:

Der Hadrianswall in Nordengland ist der am besten ausgebaute Teil des gesamten Limes und seit 1987 Weltkulturerbe. Der Antoninuswall, eine Befestigung aus Holz und Erde ebenda wurde 2008 ausgezeichnet. Mehr Infos unter https://www.english-heritage.org.uk/visit/places/hadrians-wall/

Der Obergermanisch Rätische Limes (550 Km) war eher eine Wirtschaftsgrenze und ist Weltkulturerbe seit 2005. Er verläuft zwischen Rhein und Donau.  Der Niedergermanische Limes ist 400 km lang und läuft ausschließlich als Flussgrenze entlang des Rheins. Er wurde am 27. Juli 2021 als UNESCO Welterbe ausgezeichnet. Mehr Infos unter limesstrasse.de

Der Pannonische Limes („Donaulimes“) in unseren Breiten wurde unter Kaiser Mark Aurel umfassend ausgebaut und sein westlicher Abschnitt ist seit 30. Juli 2021 endlich Weltkulturerbe.

Römerstadt Carnuntum © Andreas Hofer NÖ Werbung

Wo und was war der Römische Limes?

Nach den jüngsten Erkenntnissen der Forscher war der Limes („Grenzwall“) des Römischen Reichs zunächst gar nicht als Bollwerk oder militärische Einrichtung gegen Feinde, sprich die vielzitierten „Barbaren“ jenseits dieser Grenzen geschaffen worden. Auch war er zunächst durchaus nicht unüberwindlich, sondern auch ein Ort des Austausches, der Kommunikation und des Handels mit der Welt jenseits des Römischen Reichs. Schließlich kamen auch exotische und begehrte Waren wie Oliven, Austern, Wein und Tafelgeschirr über die Handelswege Donau.

Wie kann man sich dann den „originalen“ Limes vorstellen? Caesar legte Waldschneisen als Außengrenzen des Reiches an, es folgten Gräben und Erdwälle. Entlang der Donau und des Rheins führte der Limes fast immer auch entlang der Flussläufe, erst danach wurden Militärstraßen, Mauern, Kastelle und Wachtürme gebaut. Die ersten dieser Posten waren aus Holz errichtet worden, später baute man sie aus Stein. Und genau diese kann man heute noch entlang des ehemaligen Limes bewundern, besuchen oder mancherorts auch nur erahnen.

Hungerturm Traismauer © Steve Haider Donau NÖ

So prominente und gut erhaltene Überreste wie das Heidentor in der Römerstadt Carnuntum in Niederösterreich oder die Befestigungsanlagen von Traismauer oder Tulln und Wien kann man überirdisch jederzeit besichtigen. Mindestens genauso viele Überreste des Limes liegen aber unter der Erde und gelten als sogenannte „Bodendenkmäler“ der Welterbestätte. Wenn sie für uns als Touristen, Betrachter und Laien auch nicht unmittelbar erkennbar sind, so sind diese dennoch wichtige archäologische Stätten, die den Forschern Informationen über das antike Leben entlang der Donau liefern können. Somit sind sie mindestens genauso schützenswert und wertvoll wie das, was wir auf einen Blick sehen können und ebenso UNESCO Welterbe ist.

Sightseeing am Donaulimes: Die Spuren des Römischen Imperiums

Die Donau bildete von Bayern über Österreich, der Slowakei und Ungarn über Serbien, Rumänien und Bulgarien bis zur Stadt Sulina eine zunächst ganz natürliche Außengrenze des Imperiums. Erst in den späteren Jahren wurde diese Flussgrenze noch zusätzlich auch militärisch befestigt. Die 2021 verliehene UNESCO Würde umfasst den westlichen Abschnitt des römischen Donaulimes, denn dieser geht weiter bis ans Schwarze Meer: Der östliche Abschnitt wird extra nominiert werden – von Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien.

Bad Gögging © BLFD O. Braasch

Der Donaulimes in Bayern

 

Der Bayerische Abschnitt des Donaulimes erstreckt sich über neun Orte von Bad Gögging über Regensburg nach Passau. Direkt im Passauer Stadtgebiet etwa an der Mündung von Donau, Inn und Ilz befinden sich verschiedenste Überreste römischer Anlagen zum Donaulimes. Die Stadt Regensburg wurde als „Castra Regina“ als ein Legionslager gegründet, die einstige Legionslagermauer etwa ist eine sehr gut erhaltene römische Stadtmauer, ebenso wie die Porta Praetoria eine Besichtigung wert ist.

 

Porta Praetoria © DUK Johann Angermann

Zudem haben sich fünf Museen in Bayern zu den „Römermuseen am bayerischen Donaulimes“ zusammengeschlossen. Die Römer nannten die Flussgrenze damals „RIPA“, erst heute sprechen wir von eben jenem Donaulimes. Was man sich in Bayern übrigens heutzutage kaum vorzustellen vermag, ist die Tatsache, dass bis ins Spätmittelalter hinein hier in der Gegend entlang des Donaulimes tatsächlich vornehmlich Wein getrunken werde – beileibe kein Bier. Denn die Römer brachten zunächst die ersten Reben hier in ihre Lager an der Donau mit. Gerste und Bier, das war eher was „für die Barbaren“ jenseits des Römischen Reiches, jenseits des Limes, so der Grundtenor der Römer.

Mehr Infos: www.donau-limes.de

Die fünf Römermuseen in Bayern im Überblick:

Verein Deutsche Limes-Straße: die neue Limes-Straße Broschüre finden Sie hier

Regensburg Legionslagermauer: https://www.strassederkaiserundkoenige.com/location/document-legionslagermauer/

Legionsstadt Regensburg: https://www.strassederkaiserundkoenige.com/location/regensburg-unesco-welterbe/

in der Nähe: Römermuseum Manching

Der Donaulimes in Österreich

Der österreichische Anteil des Donaulimes ist knappe 360 Kilometer lang und befindet sich in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Oberösterreich. Ebenso wie der Limes entlang des Rheins nennt man auch den Donaulimes eine „nasse Grenze“. Sie sicherte 4 Legionslager (etwa Wien und Enns), 14 Hilfstruppenlager und 20 (uns) bekannte Wachtürme.

Österreich hat 22 archäologische Stätten in dieser Welterbestätte, 15 Museen, die sich u.a. auch mit der Römerzeit und damit dem Donaulimes beschäftigen sowie 40 (für uns) sichtbare Denkmäler. Dabei handelt es sich um unterschiedlichste Fundstätten, die bis heute den Verlauf der antiken Grenzbefestigung mit Kastellen, Wachtürmen und den dazugehörigen zivilen Siedlungen und Verkehrswegen belegen.

In Tulln als ehemaliges „Comagena“, Traismauer („Augustianis“) und auch etwa Wels („Ovilava“) erwartet man sich vom neuen UNESCO Welterbestatus einen deutlichen Aufschwung bei den Besucherzahlen der jeweiligen römischen Baudenkmäler.  Aber auch bislang unbekannte Überreste römischer Befestigungsanlagen wie etwa in Zwentendorf („Asturis“), Zeiselmauer („Cannabiaca“), Klosterneuburg („Arrianis“) oder Schwechat („Ala Nova“) – sind jetzt Teil eines bedeutenden UNESCO Welterbes. Beeindruckende Reste des Donaulimes sind unter anderem in folgenden Museen und Stätten zu besichtigen:

Mehr Infos: http://www.donau-limes.at/entdecken/museen

Die Donauuniversität Krems plant übriges eine ganz besondere Aufarbeitung der Geschichte des Donaulimes in Österreich: Unter dem Projekttitel „Living Danube Limes“ soll 2022 ein authentisch nachgebautes, römisches Flussschiff – erstmals seit dem 4. Jahrhundert – wieder die Donau befahren und die Städte am Fluss ansteuern. Gemeinsam mit vielen Donau-Partnern will man so den Donaulimes auch touristisch aufarbeiten – gebaut werden soll mit historischen Hilfsmitteln und auch die zukünftige „Crew“ wird so arbeiten und aussehen wie die Besatzung eines echten römischen Flussschiffes. Stichwort: Living History. Mehr Informationen über dieses spannende EU-Projekt gibt es hier.

Der Donaulimes in der Slowakei

Komarne Museum © Jozef Csuetoertoeky

Mehr Infos (in englischer Sprache) in den UNESCO Einreichunterlagen

Die Römer entlang des heutigen Donauradwegs

Auch all jene, die radelnd entlang der Donau unterwegs sind – sprich zu einem großen Teil am ehemaligen Donaulimes – stoßen immer wieder auf die ehemalige Außengrenze des Römischen Reiches. Denn 20 „Römer-Rastplätze“ laden am oberösterreichischen Abschnitt des Radwegs die Sportler ein, während ihrer Rast ein wenig historische Luft zu schnuppern. Die Sichtbetonsäulen, die an römische Meilensteine erinnern sollen, kennzeichnen die Rastplätze, die jeweils eine Rastbank und eine vom Künstler Miguel Horn gestalteten stilisierten Römerkopf  auf der Stele beinhalten und zudem über die Location informieren. Römische Nummern auf jeder Säule sind dabei selbstverständlich.

Der westlichste Römer Rastplatz liegt nahe Passau im oberösterreichischen Esternberg, der östlichste im schönen Grein.

Sämtliche Römer-Rastplätze am Donauradweg finden sich hier.

Donauradweg Grein © WGD Donau OÖ Hochhauser

ONLINE und VIRTUELL auf den Spuren der Römer entlang des LIMES

⮩ Die Limes APP: Die App des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zum Erkunden des Limes live im Gelände oder von der Couch aus (App-Stores)

⮩ Virtulleum in Tulln (Niederösterreich): Die App für eine Stadtexpedition mit den Augen der Alten Römer

⮩ Die Carnuntum App: All das erkunden, was unter der Erde liegt (App-Stores)

⮩ App „Römerspuren“: Das Erbe der Römer in Ostbayern und Oberösterreich online entdecken (App-Stores)

⮩ Multimediale Installationen zur Römerwelt im Römermusem Wallsee

⮩ Die Römer in Oberösterreich: https://www.donauregion.at/roemer-an-der-donau.html

⮩ Die Römer in Niederösterreich: https://www.donau-oesterreich.at/donaulimes/niederoesterreich/

⮩ Römische Genüsse: https://www.donau.com/de/donau-niederoesterreich/essen-trinken/reich-gedeckte-tische/roemische-genuesse/

Weiterlesen

➔ Der Donaulimes der Römer und „Wo heute unsere Grenzen sind“

News von den Alten Römern am Donau Limes…

UNESCO Welterbe Perlen entlang der Donau

 

Römermuseum Tulln © Stadtgemeinde Tulln

Recherchen:

  • Kurier.at
  • Salzburger Nachrichten
  • Der Standard Kultur
  • Bundesdenkmalamt Online
  • Unesco.at
  • Donau.com
  • Scienceapa.at