Römer News

News von den Alten Römern am Donau Limes

Entlang der Straße der Kaiser und Könige gab es zur Zeit der Römer Legionslager, Kastelle, Wachtürme, Siedlungen und sogar ein paar echte Großstädte. Wie war das Leben damals bei den Römern in unseren Breiten zwischen Regensburg und Budapest? So viel anders als heute?

Die Donau hat schon so einiges zu sehen bekommen. Wer heute auf der Wiener Donauinsel in der Sonne chillt, durch die Wachau mit dem Schiff schippert oder in Passau und Budapest auf der Donaupromenade flaniert, könnte mal für einen Moment die Augen schließen (Achtung auf die Radfahrer!) und sich geistig 1.800 Jahre zurückbeamen: Zu den Römern und ihrem Alltag in Raetien (ostbayrischer Raum), im Noricum (unser heutiges Österreich) und nach Pannonien (Ungarn) und „ihrer“ Donau damals. Denn die Donau könnte so einiges erzählen von der Zeit, als sie noch ein wilder, mäandernder Grenzfluss war zu den Barbaren, ein Zollgrenzgebiet mit monumentalen Kastellen und Wachtürmen bestückt und hier Militärflotten vor Anker lagen.

Keine coolen Bars, Strandbäder, Hundezonen und Donaurestaurants – sondern der ” Nasse” Limes, wie die Donau später auch genannt wurde – war eine Außengrenze zu den ungeliebten Nachbarn, aber auch eine wichtige Zollgrenze, an der nicht immer nur gekämpft sondern auch reger Handel getrieben wurde. Die Straße entlang dieser Donaugrenze, einst Via Istrum (der Donauweg) genannt, existiert aber noch heute irgendwie: Die Via Istrum der Römer von einst ist heute, grob gesehen, unsere B1, die Bundesstraße zwischen Wien und Linz und der Limes war damit der antike Vorläufer der Straße der Kaiser und Könige.

Wie kann man sich das römische Leben damals in einer Stadt am Limes wohl vorstellen?
Waren die „alten Römer“ nur am Kämpfen, Diskutieren und bei „Brot und Spielen“?

Bleiben wir noch ein wenig auf der Donaupromenade in Passau, Wien oder Budapest sitzen oder schauen wir vom Bratislava UFO Turm oder der Ruine Devin hinab auf den Strom, der mehr erlebt hat als wir jemals  von ihm wissen werden. Was ist überliefert?

Visualisierung Einer Ladenstrasse (c) 7reasons Landesausstellung
Fotocredit: Visualisierung Einer Ladenstrasse (c) 7 reasons Oberösterreichische Landesausstellung 2018
News aus den römischen Städten

Neben den Militärlagern und Hilfslagern entlang des Donau Limes entstanden immer auch Zivillager. Dort lief quasi das echte Leben ab: Mit Unterhaltung, Märkten, Bordellen, Barbieren und was man sonst noch zum täglichen Leben brauchte. Oder die Dörfer nahe eines Militärlagers profitierten von dem Militär vorort und wuchsen, auch wirtschaftlich.

So viel anders als heute bei uns in den Cities ging es auch in diesen großen und kleinen Städten des römischen Reichs nicht zu. Man ging eben auch hier ins Theater, in die Schule, zum Frisör und zur Kosmetikerin. Man trank gespritzten Wein, ließ sich Fastenkuren mit Hungertagen (sogar intermittierendes Fasten, wie es heute so modern ist, war längst bekannt) verordnen und wer eine besonders große Villa und viele Sklaven hatte, protzte schon mal damit vor seinen Freunden rum wie mit einem neuen Smartphone.

Gladiatoren waren quasi die Youtube Stars von heute, hatten Künstlernamen, viele Gefolgsleute (Follower und Fans) und es gab tatsächlich auch Fanartikel. Gladiatoren wurden aufgrund ihrer männlichen Ausstrahlung besonders verehrt und umschwärmt. Hingegen waren Schauspieler nicht so hoch angesehen wie heute, galten als „ehrlos“, hatten aber trotzdem oder gerade deswegen manchmal einen riesigen Tross an Verehrern hinter sich. Auch das kennen wir heute zur Genüge. Ähnlich erging es den Wagenlenkern im Circus Maximus: Kreischende Fangemeinschaften waren damals keine Seltenheit.

Fotocredit: Lauriacum_Canabae (c) 7 reasons Oberösterreichische Landesausstellung 2018
Reko Kastell Rekonsruktion in Schlögen (c) 7 reasons Oberösterreichische Landesausstellung 2018

Beim Frisör wurde getratscht und wenn einer besonders schlecht rasierte, sprach sich das schnell herum. Als Anti Aging – Serum schlechthin galt Eselsmilch. Überhaupt galten damals ähnliche Schönheitsideale wie heute, möglichst weiße Zähne und ein vornehmer, leicht wogender Gang bei Frauen dürfte bei der Männerwelt gut angeschrieben gewesen sein. Ebenso wie heute galt Körperbehaarung bei Frauen woanders als am Kopf als unschön. Ebenso erwartete man bei den Frauen eine helle Gesichtsfarbe, während die Männer schon mal kräftig was von der Sonne abbekommen durften, um maskulin zu wirken: Der damalige Begriff „Schattensucher“ dürfte wohl ebenso spöttisch gemeint gewesen sein wie heute unser „Schattenparker“. Die Kinder wurden von gebildeten Sklaven (statt Au Pair Mädchen) zur Schule gebracht und kauften sich oft unterwegs einen Happen „auf die Hand“, weil daheim keine Zeit dazu war.

Braucht es noch mehr Parallelen zur heutigen Zeit? Noch mehr News von den alten Römern, während wir im Heute an der Donau abhängen, mit dem Hund spazieren gehen, in der Sonne braten und unsere Tattoos herzeigen? Apropos, Tattoos. Die waren bei den gebildeten Römern gar nicht gern gesehen, sie galten als „barbarisch“ – Cicero etwa zeigte sich erzürnt ob der Körperbemalung mancher Badenden und musste gleich einen seiner vielen Klagebriefe schreiben, um den Verfall der Sitten zu beklagen. Und Haustiere? Die hatten die Römer natürlich auch: An erster Stelle stand selbstredend der Hund, der einerseits als Wachhund fungieren durfte, andererseits auch als Schoßhund in Frage kam. Denn Katzen waren zum Schmusen unbekannt, sie dienten im Haus nur als Mäusejäger. Auch Vögel waren beliebt, aber nur gebildete: Sie mussten zumindest ein paar Worte nachplappern und etwaige Gäste damit beeindrucken können. Es gab Vegetarier und Veganer – teils freiwillig (wegen Pythagoras) teils unfreiwillig (weil Fleisch teuer war) und echte Fleischtiger aßen am liebsten Schwein oder Huhn.

Gingen die alten Römer auf Urlaub? Ja, wenn sie reich waren –  aber mit einer Flusskreuzfahrt auf der Donau hätte man die Menschen damals „jagen“ können, Schifffahrten zur Unterhaltung oder Erholung übten noch keinerlei Faszination auf die Menschen damals aus: Zu gefährlich und viel zu unbequem. Die Schiffe in unseren Breiten damals waren meist Frachter oder Militärschiffe. Wenn römische Bürger reisten, dann nicht wegen schöner Landschaften oder Naturerlebnisse, sondern einzig und allein wegen der Kultur. Athen, Delphi, Ephesos, Korinth oder Ägypten und Alexandria – das waren die Traumdestination eines reichen und gebildeten Römers und dazu war natürlich auch eine Schifffahrt auf dem Nil unumgänglich.

Belebte Städte am Donau Limes

Die größte Stadt des römischen Reichs war Rom, das zu seinen besten Zeiten etwa eine Million Einwohner gehabt haben dürfte. Karthago hatte 300.000, Ephesos 100.000 und Köln etwa 50.000 Einwohner. In Rom gab es täglich Fußgängerstaus und Verkehrsgetümmel. Caesar hatte sogar schon ein Tagesfahrverbot für Fuhrwerke verhängt – Last- und Reisewagen durften untertags nicht in die Stadt fahren – kommt uns das bekannt vor? Etwa aus Salzburg, Hallstatt oder aus Tirol? Es gab schon damals Pfusch am Bau, Hochwasser, Jugendgangs und schlechte Luft in der City.

Von Regensburg bis Budapest gab es entlang der Donau und damit des Limes einige antike, echte Großstädte des römischen Reichs, etwa Regensburg, Enns, Wels oder Budapest. Auch Carnuntum war neben dem Militärlager eine große Zivilstadt mit allem Drum und Dran. Mit den Großstadtproblemen wie in Rom musste man sich hier bei uns am Rätischen oder Pannonischen Limes nicht rumschlagen, aber Carnuntum mit dem Rang einer „Colonia“ zählte zur Blütezeit immerhin 50.000 Einwohner und hatte eine Größe von 10km².

Mit viel Fantasie können wir uns das heute alles vorstellen, aber noch besser eintauchen in das römische Reich hier bei uns am Donau Limes und der Straße der Kaiser und Könige kann man natürlich mittels moderner, mehrdimensionaler Medien. Eine Vielzahl von Römer-Museen zwischen Regensburg, Passau, Wien und Budapest macht es möglich: Die Überreste der Torbogen, Kastelle oder Wachtürme kann man sich so dreidimensional vor Augen und auf´s Smartphone führen. Oder wie in Carnuntum: Auf römischer Fußbodenheizung durch ein authentes römisches Wohnhaus spazieren, sich in einer beheizten Therme mit Wandmalereien aufwärmen und bei einem Römerfestival dabei sein. Seit Herbst 2019 kann man auch in Tulln auf den virtuellen Spuren der Römer wandeln – mit einer völlig neuen App namens Virtuelleum auf dem Smartphone wird ein Walk durch die Stadt gar dreidimensional römisch.

Selbst eintauchen in die Welt der Römer - Virtuelle Welten und moderne Geschichtsvermittlung in den Museen entlang der Straße der Kaiser und Könige
Event Tipps zum Alltag der Römer