Kaiserin Elisabeth und die Donau – Von Bayern über Wien nach Budapest

Kaiserin Elisabeth und die Donau – Von Bayern über Wien nach Budapest

Eine Brautfahrt auf der Donau

Als am 21. August 1854 die bayrische Wittelsbacherprinzessin Elisabeth in Straubing das Donauschiff „Stadt Regensburg“ bestieg, geschah das nicht, um eine Vergnügungsfahrt zu starten. Nein, die 16Jährige begab sich auf Brautfahrt, vielmehr: Sie war auf der Weg zur „Hochzeit des Jahrhunderts“ nach Wien – ihrer eigenen – denn der österreichische Kaiser hatte sich im Sommer davor in Bad Ischl in seine kleine, bayerische Cousine verliebt und sofort Nägel mit Köpfen gemacht. Sehr zum Unwillen seiner Mutter Sophie und der Tante Ludovika, die eigentlich Sisis ältere Schwester in der Rolle der künftigen Kaiserin von Österreich gesehen hatten, schließlich hatte man „Néné“ seit Jahren auf eine solche Hochzeit vorbereitet.

Im Gegensatz zum Wildfang Sisi, die man eigentlich nur mitgenommen hatte, um sie in Ischl ein wenig abzulenken und eventuell mit dem jüngeren Bruder Franz Josephs, Karl Ludwig, zu verkuppeln. Die mütterlichen Planungen liefen in Ischl aber leider sehr schnell aus dem Ruder, weil Franz Joseph Néné ganz unkaiserhaft einfach links liegen ließ und sich schon beim ersten Nachmittags Tee an der Ischler Esplanade in Sisi verliebte. Dem Vernehmen nach genierte sich die ungeschickte Sisi zunächst ein wenig beim Tanzen mit dem jungen Kaiser – vor allem als er ihr nach dem berühmten „Cotillon“, einem beliebten Barocktanz, kurzerhand sein für die Braut vorbereitetes Blumenbukett überreichte. Allen Anwesenden, denen aus Wien und denen aus Bayern, war sofort klar, dass an diesem Abend, dem 17. August 1853, beim Tanzen in Bad Ischl Geschichte geschrieben wurde. Elisabeth war das Ganze eigentlich zunächst nur peinlich. Das sollte sich eigentlich Zeit ihres Lebens auch nicht mehr ändern – Hofzeremonielle blieben ihr immer verhasst.

Viel Zeit, um sich von der Überraschung zu erholen und sich auf ihre Rolle als Kaiserin vorzubereiten, ließ man ihr nicht. Schon tags darauf am 18. August saß man bei der Geburtstagsfeier des Kaisers nebeneinander (!)  und am 19. August durfte man bereits allein unter vier Augen miteinander sprechen: Die Würfel waren gefallen, als die Kaiserinmutter dem 15jährigen Mädl aus Bayern beim Gang in die Kirche den Vortritt ließ. Spätestens dann war allen alles klar, besonders dem gaffenden Fußvolk in Ischl.

Von jenen denkwürdigen Tagen an der Traun in Ischl aber nun wieder zurück an die Donau – den Fluss, den Sisi und Franz Joseph ein knappes Jahr später für immer zusammenbringen sollte. Im wahrsten Sinn des Wortes. Von Straubing bis Passau ging es noch ganz ruhig zu, aber in Passau gab es bereits einen ersten „Empfang“, wie man damals wie heuer nennt: Die Landesstände Bayerns sagten „Pfiat di“ (oder etwas Offizielleres) und eine österreichische Delegation begrüßte Elisabeth und ihre Entourage wahrscheinlich mit einem herzlichen „Servus“ (oder so). Und abends legte der riesige Schiffs Konvoi dann in Linz an.

Dort verließ der gesamte Tross mit Sisi die „Stadt Regensburg“: Der Bräutigam hatte nämlich einen neuen „Express-Dampfer“ geschickt, der die Prinzessin mit ihrer Entourage in die Wachau und weiter nach Nußdorf nach Wien bringen würde. Und er war ihr auch gleich entgegen gereist – ganz außerhalb des Protokolls, sehr ungewöhnlich für Franz Joseph… Unter den Blicken einer für sie erschreckend großen Menschenmenge musste Elisabeth ihren Bräutigam begrüßen. Schon wieder so peinlich! Und Elisabeth war auf dieser Brautfahrt auf der Donau wirklich denkbar schlecht drauf, wenn man der Sisi-Biografin Brigitte Hamann Glauben schenken darf (und das darf man uneingeschränkt). In einer sechsspännigen Kutsche war es in Bayern zur Ablegestelle an der Donau gegangen und der Abschied vom alten wilden Leben in Bayern und den Geschwistern war tränenreich gewesen. Das riesige Interesse, das Sisi auf ihrer Donaufahrt überall entgegen gebracht wurde, verängstigte und verunsicherte sie.

Der Express Dampfer, den der ungeduldige Bräutigam geschickt hatte, war das damals größte und luxuriöseste Passagierschiff, das die Donau jemals gesehen hatte – Kaiser Franz Joseph ließ sich nicht lumpen. Die Kajüte für Sisi war mit Purpursamt ausgekleidet, die 140 PS eine kleine Sensation. Mit dem üppigen Blumenschmuck dekoriert, glich das Schiff einem schwimmenden Garten auf der Donau.

Nach der Übernachtung in Linz (natürlich getrennt) fuhr der Kaiser bereits um 4 Uhr 30 mit dem Dampfschiff „Austria“ nach Wien retour – denn am Nachmittag in Nußdorf bei Wien, da will er seine Braut gleich nochmal offiziell begrüßen – wieder unter Gejohle der begeisterten Menschenmassen. Sie startet „erst“ um 8 Uhr morgens in Linz und ist mit dem besagten Eildampfer „Franz Joseph I“ am Nachmittag in Nußdorf.

Die Fahrt von Linz nach Nußdorf gleich einer einzigen Fluss-Parade: In jedem Ort grüßen und jubeln die Menschen dem Schiff zu, das die Braut nach Wien bringt. Elisabeth muss die gesamte Fahrt am Oberdeck verbringen, sich zeigen, sich begaffen lassen, repräsentieren, winken, freundlich sein. Die „Hermine“ mit einer oberösterreichischen Deputation folgt dem Brautschiff auf dem Fuße quasi.  Der Linzer Empfang war nichts gegen den, der in Nußdorf – dem Wiener Donauhafen – auf sie wartete. Pompös mit einem immensen Triumphbogen muss sie unter Kanonendonner und Glockengeläute aller Wiener Kirchen unter den Augen der gesamten Würdenträger an Land gehen. In einem Wagenzug fuhr man danach in einer Kutschen Kolonne durch ganz Wien nach Schönbrunn.

Und am 24. April 1854 abends war sie bereits Kaiserin von Österreich – in einer gläsernen Kutsche hatte sie mit ihrer Mutter zur Augustinerkirche fahren müssen, neuerlich den Blicken der gaffenden Wiener preisgegeben. Der „Anfang vom Ende“, würde Elisabeth vielleicht heute sagen…

Metropolen der Donaumonarchie: Bratislava und Budapest

62 Kilometer von Wien entfernt liegt die nächste Metropole der ehemaligen Donaumonarchie: Pressburg, das heutige Bratislava. Pressburg war lange Zeit die Hauptstadt Ungarns gewesen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es sogar eine eigene Straßenbahnlinie von Wien nach Bratislava, wie man in der aktuellen DONAU-Ausstellung in der Schallaburg erfährt. Vom Kronturm der Burg sieht man auf die Donau und hat einen Panoramablick auf drei Länder: Slowakei, Ungarn und Österreich.

Sisi dürfte zahllose Male mit dem Schiff über Pressburg nach Budapest gereist sein – auch zu jener denkwürdigen Reise im Mai 1857, als sie entgegen dem ausdrücklichen Wunsch ihrer Schwiegermutter mit ihren beiden Töchtern nach Ungarn reiste, um dort langwierige Repräsentationspflichten zu erledigen: Während des Aufenthalts verstarb dort ihre erstgeborene Tochter Sophie.

10 Jahre später jedoch im Frühjahr 1867 gleicht Budapest an der Donau einer „Dauerparty“, wie man heute sagen würde: Die viertägigen Krönungsfeierlichkeiten von Franz Joseph und Elisabeth stehen an. Wiederum strömen Menschenmassen nach Buda, um den Umzug in die Matthiaskirche nicht zu versäumen. Dort wird die Krönung von Franz Joseph zum König von Ungarn vorgenommen. Franz Liszts Krönungsmesse erklingt, der Meister selbst ist auch vorort, aber er darf nicht dirigieren. Doch die heimliche Hauptperson in Budapest, ja in ganz Ungarn, ist zu dieser Zeit Elisabeth, deren Fürsprache für die Ungarn man wohl den Ausgleich mit-verdankt. Sie sprach fließend ungarisch – sehr zum Unmut ihres Mannes auch mit ihrer eigenen Entourage und ihrer innigsten Vertrauten, der Hofdame Ida Ferenczy aus Kecskemet  – ein Affront in Wien. Damals entstand in Ungarn wohl der Sisi Kult um die „ungarische Kaiserin“, der bis heute dort ungebrochen scheint. Dass sie ungarisch so aus freien Stücken lernt (während sie im Tschechischen versagt), ist dem Wiener Hof mehr als ein Dorn im Auge – aber Ungarn und Budapest, das bedeutet für Sisi bis zu ihrem Lebensende „Freiheit“. Ihre engste Vertraute Ida dürfte allerdings irgendwie am Hof eingeschleust worden sein: Sicher ist laut Biografin Brigitte Hamann, dass sie auch eine Vertraute der ungarischen Liberalen war, die den „Ausgleich“ anstrebten und dass sie nach Budapest berichtete, was am Hof in Wien so abging. Die Freundschaft Sisi mit Ida war von langer Hand akribisch geplant worden, allerdings blieb sie als Ungarin ein Fremdkörper am Hof – umso enger schloss sie sich an Elisabeth an, bis zu deren Tode.

Elisabeth blieb zeit ihres Lebens eine Fürsprecherin für die Sonderwünsche der Ungarn: Im Schloss Gödöllö nahe bei Budapest, das die Magyaren ihr nach der Krönung zur ungarischen Königin verehrten, dürfte sie mehr Tage und Nächte als daheim in Schloss Schönbrunn zugebracht haben. 136 Räume, davon 103 Wohnräume hatte das Schloss, in dem sie viel Zeit mit ihren Kindern und zum Reiten zubrachte. „Hier hat man seine Ruhe, keine Verwandten, niemand sekkiert dich, im Gegensatz zu Wien, wo die ganze kaiserliche Bagage ist! Hier bedrückt mich gar nichts, ich lebe hier wie im Dorf, ich kann allein spazieren gehen oder Kutschfahrten machen“, schreibt eine offenbar erleichterte Elisabeth an ihre Mutter in einem Brief. Die Ungarn lieben sie dafür und der Doppelmonarchie ist es auch zuträglich, Franz Joseph kann sich bei seiner Frau bedanken.

Ihre Tochter Marie Valerie brachte sie zehn Monate nach der Krönung ebenfalls in Budapest zur Welt – die Ungarn waren wiederum begeistert. Marie Valerie soll sich viel später übrigens oft darüber beschwert haben, dass sie mit ihrer Mutter immer nur Ungarisch sprechen musste…

Das Lieblingsplatzerl der Kaiserin in Budapest soll übrigens auf dem Aussichtsplateau über der Stadt gewesen sein, wo heute ein nach ihr benannter Turm steht. In der Bäckerei Gerbaud soll man auch Sisi und Ida mit Süßigkeiten verwöhnt haben, das Kaffeehaus ist heute noch ein Fixpunkt bei jedem Budapest Besuch. Die ergebene Ida Ferenczy hat übrigens nach dem Tod Sisis in Budapest das allererste Sisi Museum initiiert, das allerdings im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Dafür lädt heute das Sisi Museum in Wien in der Hofburg zum Besuch ein. Oder man zieht sich – aus romantischen Remineszenzgründen die „Sissi“ Filme mit Romy Schneider rein. Über den „Mythos Habsburger und ihren Spuren entlang der Donau kann man hier weiterlesen.

Uneingeschränkt empfehlenswert jedoch ist die zeitlose Biografie von Brigitte Hamann über „Elisabeth. Kaiserin wider Willen“. „Wider Willen“ – das hatte man ja schon damals bei der Brautfahrt auf der Donau beobachten können…

Kaiserin Elisabeth und die Donaumetropolen der K.u.K. Monarchie

Alle Infos vorbehaltlich etwaiger Covid19 Einschränkungen der Locations!

Wien

Bratislava

Budapest